Die Lehre Anthroposophie wurde Anfang des 20.Jahrhunderts von dem Geisteswissenschaftler und Pädagogen Rudolf Steiner entwickelt. Sein erkenntnistheoretischer Monismus fußt auf der Annahme, dass der Mensch einen Zugang zu Phänomenen der übersinnlichen Welt haben kann. Der Mensch müsse Kräfte entwickeln, die ihn diese umfassende Erkenntnis ermöglicht. Sie entstand durch eine kritische Auseinandersetzung mit Kants Schrift "Kritik der reinen Vernunft" in der der berühmte Philosoph erklärt, dass der Mensch gesichertes Wissen nur in der sinnlich-erfahrbaren Welt erlangen kann.
Geboren wurde Rudolf Steiner am 27.2.1861 in Österreich geboren. In Wien studiert er an der technischen Hochschule Mathematik, Naturwissenschaften und Literatur und Philosophie. Erste Arbeitsstellen sind eine private Lehrerstelle und in Weimar das Goethe-Archiv. 1891 promoviert er mit dem Thema "Wahrheit und Wissenschaft" im Fach Philosophie. In dieser Zeit erscheint auch sein Hauptwerk "Philosophie der Freiheit". Später lehrt er an der Arbeiter-Bildungsschule in Berlin. Ab 1913 trennt er sich von der theosophischen Gesellschaft, innerhalb der er viele Vortragsreihen gehalten hat und gründet die Gesellschaft für Anthroposophie, in der auch seine Gedanken der östlichen Theosophie und des Christentums mit einfließen. Ab dem ersten Weltkrieg wendet sich Steiner politischen und sozialen Fragen zu und entwickelt seine Theorie von Reinkarnation, Karma und Anthroposophie.
In Berlin gründet er dann mit seiner zweiten Frau Marie von Sievers einen Verlag in Berlin und ein Zentrum für Anthroposophie. In dieser Zeit wendet er sich immer stärker religiösen Fragen und dem eigentlichen Akt des Denkens zu. Die Beschäftigung mit dem Denkprozess an sich führt nach Steiner schon zu einer erweiterten Wahrnehmung und zur Möglichkeit der Erfassung höherer Welten. Mit verschiedensten Methoden soll der Mensch in diesen neuen Gedankenprozess eingeführt werden. Seine Forschungen der Anthroposophie beziehen sich auf Theorien der Reinkarnation, der Weltentstehung, des Christentums und der Hierarchienlehre. |
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Mit seinen Theorien, die Religiosität mit Wissenschaftlichkeit verbinden, erzeugt er jedoch heftige Kritik, sowohl bei Wissenschaftlern, als auch bei Christen. Die Wissenschaftler beurteilen seine Anthroposophie als unlauter und unwissenschaftlich und die Christen fühlen sich durch die wissenschaftliche Bearbeitung der religiösen Fragen provoziert.
Steiners Anthroposophie ist dem deutschen Idealismus zuzuordnen, greift aber auch phänomenologische Aspekte auf. Seine Anthroposophie fußt auf einem ontologischen Monismus, der Geist und Materie als Teile ein und der selben Wirklichkeit ansieht, die jedoch unterschiedliche Rezeptionsqualitäten besitzen. Besonders seine Auseinandersetzung mit Immanuel Kants Erkenntnistheorie bewegt ihn zu einer neuen Theorie, die den transzendenten Teil der Wirklichkeit mit einbezieht. Im Gegensatz zu Kant geht er davon aus, dass wir durchaus die Fähigkeiten besitzen Erkenntnis über die nicht sinnliche Welt, die "höhere Welt" zu erhalten. Diese Fähigkeit werde durch Reflexion des Denkens an sich erzeugt. Die Beschäftigung mit dem Denkprozess soll unsere Fähigkeiten erweitern und uns eine Teilnahme an der Transzendenz ermöglichen.
Seine Anthroposophie hat dennoch eine weite Verbreitung und viele Anhänger gefunden. Etliche Institutionen sind im Laufe der Zeit entstanden. Noch heute gibt es zahlreiche Waldorfschulen und viele Kindergärten, die nach den Prinzipien von Steiner verfahren. Aber auch in Bereichen der Medizin, der Pharmazie, der Heilpädagogik, dem biologisch-dynamischen Landbau und auch im Christentum sind Ideen Rudolf Steiners eingeflossen.
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